TOD

In alten Kulturen war der Tod eng mit der Wiedergeburt verknüpft. Nur eine Göttin, die Leben gebären kann, konnte auch Leben wieder zurücknehmen. Daher war der Tod meist an eine weibliche Gottheit gebunden. Hel ist in der nordischen Mythologie die Herrscherin der Unterwelt. Von ihr leiten sich das englische Wort hell und das deutsche Wort Hölle ab. Nach der Christianisierung wurde ihr Totenreich zum Ort für Sünder.

Den Tod vorhersagen

Der Tod ist immer ein bedeutender Einschnitt für die Familie. Deshalb versuchte man, von Pflanzen Hinweise auf einen bevorstehenden Tod abzulesen. Ein schlechtes Zeichen beispielsweise war es, wenn der Geburtsbaum verdorrte. (Der Geburtsbaum war am ersten Neumond nach der Geburt gepflanzt worden, gehörte dem Kind und trug oft auch dessen Namen.) Auch wenn Obstbäume oder der Holunder im Herbst ein zweites Mal blühten, deutete dies auf einen baldigen Todesfall hin. Ein genauso schlechtes Zeichen war es, wenn Kirschblüten und Kirschen gleichzeitig erschienen. Wenn sich Kohlpflanzen gelb oder weiß färbten, sollte der Besitzer derselben bald sterben oder schwer verunglücken.

Bestattungsrituale

Pflanzen galten als Mittler zwischen Diesseits und Jenseits. Bestattungen von Toten auf Kräutern und Blüten waren schon in der Steinzeit üblich. Auf Friedhöfen wurden und werden bestimmte Bäume gepflanzt (Lebensbaum, Wacholder, Holunder), Grabschmuck besteht häufig aus wintergrünen Pflanzen (Immergrün, Efeu, Rosmarin). Manche Pflanzen tauchen in den Bestattungsritualen immer wieder auf:

Wermut

Wermut war ein Begleiter in den Tod, als „Grabekraut“ wurde er in den Sarg oder ins Grab gelegt. Das „Lied eines Mädchens auf den Tod ihrer Gespielin“, vertont von Mendelssohn, zeigt den Wermut als Symbol des Todes:

Vier trübe Monden sind entflohn,
Seit ich getrauert habe;
Der falbe Wermut grünet schon
An meiner Freundin Grabe.
Da horch’ ich oft im Mondenglanz
Der Grillen Nachtgesange,
Und lehn’ an ihren Totenkranz
Die bleichgehärmte Wange.

Rosmarin

“Und da ist Rosmarin, das ist für die Treue” sagt Ophelia in Hamlet. Doch das Kraut ist auch eng mit Abschied und Bestattungsritualen verbunden. Sicherlich half sein Duft dabei, den Verwesungsgeruch des Leichnams zu überdecken.

Im alten Ägypten wurden seine Zweige in die Hände der Verstorbenen gelegt, um ihren Seelen zu helfen, den Weg ins Jenseits zu finden. Im alten Griechenland bekamen Tote aus Rosmarin geflochtene Kränze. „Rosmarei, Rosemarei, gebt mer in mei Sarg Genei, gebt mer in mei kalte Händ, wenns zu End.“ Mit diesem Spruch und und der Rosmarin-Beigabe in den Sarg sollten böse Geister ferngehalten werden.

Es war auch üblich, dass die Sargträger oder Trauernde bei Begräbnissen ein Sträusschen Rosmarin trugen. Er sollte durch seinen intensiven Duft ansteckende Krankheiten abwehren. Wurde der Sarg in die Erde gelassen, warf man die Zweige mit hinein.

In einem alten Volkslied findet sich der Glauben wieder, dass ein Rosmarinstrauch eine düstere Todesahnung sei.

Ich hab die Nacht geträumet
wohl einen schweren Traum,
es wuchs in meinem Garten
ein Rosmarienbaum.

Ein Kirchhof war der Garten
ein Blumenbeet das Grab,
und von dem grünen Baume
fiel Kron und Blüte ab.

Rosmarin

Weinraute

Der alte Name Totenkraut nimmt Bezug auf den Brauch, die Raute zu Kränzen zu binden und dem Toten auf die Brust zu legen. Es hieß, wenn man den Leichnam mit Rauten einwickelt, so bliebe er lange unverwesen.

Weinraute

Buchsbaum

Der Buchsbaum war bei den alten Ägyptern und den antiken Griechen als magische Pflanze bekannt. Er war in Griechenland dem Gott der Unterwelt, Hades, geweiht. Die Germanen betrachteten ihn als Symbol für den Lebenszyklus Liebe – Fruchtbarkeit – Tod.

Seine Blätter streute man früher vor dem Haus des Verstorbenen auf die Straße, die Zweige legte man in den Sarg. Als Sinnbild der Unsterblichkeit ist er wie viele immergrüne Pflanzen häufig auf Friedhöfen zu finden. In China gilt der Buchsbaum als Symbol für ein langes Leben.

Buchsbaum

Holunder

Um den Holunder ranken sich eine ganze Reihe von Sagen und Legenden. Vielen ist gemeinsam, dass sie den Holunder mit dem Tod und dem Übernatürlichen in Verbindung bringen; er ist ein Begleiter für die letzte Lebensstation: In manchen Gegenden nahm der Schreiner mit einem Holunderstock Maß für den Sarg; der Führer des Leichenwagens trieb seine Pferde mit einem Holunderzweig an. In anderen Regionen ist es Sitte, vor dem Sarg ein Kreuz aus Holunder voranzutragen und anschließend auf das Grab zu pflanzen. Begann das Kreuz später zu blühen, galt der Verstorbene als selig.

Holunder

Eibe

Bei vielen Völkern gelten Bäume als Aufenthaltsort der Seelen. Auf Friedhöfen wurden daher bestimmte Bäume gepflanzt. Die giftige Eibe ist der Baum des Todes und des ewigen Lebens, nicht zuletzt weil die Eibe ein besonders langlebiger Baum ist, der viele hundert Jahre alt werden kann. Das stabile und biegsame Holz eignet sich für den Bau von Bogenwaffen genauso wie von Zauberstäben (wie dem von Lord Voldemort). Nach altem Glauben steigen durch die Wurzeln der Eibe die Seelen in die Baumkrone und werden dort von Vögeln in den Himmel begleitet.

Eibe