Landwirte der vergangenen Jahrhundert wussten über die Bedürfnisse von Pflanzen, besonders Gehölzen, Bescheid. Aus ihrer eigenen Erfahrung oder der Überlieferung wussten sie, wenn Feld-, Wald- und Gartenbäume hoch und astreich wuchsen, standen sie auf einem besonders fruchtbaren Boden. Dies machte es möglich, den Wert des Bodens besser zu beurteilen.

Erst gegen Mitte der 1970er Jahr wurden die so genannten Zeigerpflanzen für die Landwirtschaft systematisch erforscht. Zeigerpflanzen benötigen bestimmte Lebensbedingungen und geben deswegen Hinweise auf die Beschaffenheit des Bodens. Ändern sich ihre Lebensbedingungen, sind sie auch schnell wieder verschwunden.

Der Biologe und Landschaftsökologe Heinz Ellenberg entwickelte ein Klassifikationsverfahren der Pflanzen nach ihrem ökologischen „Verhalten“ und botanischen Eigenschaften. Es handelt sich dabei um ein Verfahren, das nicht aus Labormessungen, sondern der Untersuchung echter Verhältnisse entstand. Dies ist bedeutsam, da sich in der Natur Pflanzenarten auch in Konkurrenz zueinander verhalten oder mit anderen Arten gerne Gesellschaften eingehen.

Wirtschaftlich gesehen besticht die Methode durch ihre Schnelligkeit, wenn für andere Messungen weder Zeit noch Geld vorhanden ist. Mit ihr lassen sich auch Veränderungen in einem Biotop erkennen und landwirtschaftliche Maßnahmen beurteilen. Der Hobbygärtner sieht anhand der Zeigerpflanzen mögliche Mangelerscheinungen des Bodens. Sie geben ihm aber auch Hinweise, welche weiteren Pflanzen sich am Standort besonders wohlfühlen könnten. Wildkräuter eigenen sich besonders gut als Zeigerpflanzen: Sie sprießen bei den passenden Bedingungen in kürzester Zeit überall aus dem Boden.

Eine Auswahl an Zeigerpflanzen:

Lichtzeiger Gelbes Sonnenröschen
Schattenzeiger Sauerklee
Feuchter Boden Kohldistel, Ampfer, Wiesen-Schaumkraut
Trockener Boden Mittlerer Wegerich, Königskerze, Storchschnabel
Staunässe Schachtelhalm, Ackerminze, Mädesüß
Verdichteter Boden Breitwegerich, Kriechender Hahnenfuß, Gänsefingerkraut
Stickstoffreicher Boden Brennnessel, Kletten-Labkraut, Vogelmiere, Löwenzahn, Weiße Taubnessel, Giersch, Hirtentäschel
Stickstoffarmer Boden Wilde Möhre, Rauhaarige Wicke, Breitblättriger Hohlzahn
Saurer Boden Gänseblümchen, Schmalblättriges Weidenröschen
Basischer/alkalischer Boden Echter Wundklee, Wiesen-Salbei
Kalkhaltiger Boden Kuhschelle, Acker-Rittersporn, Brennnessel
Kalkarmer Boden Hundskamille, Stiefmütterchen
Salzboden Queller
Sandboden Sand-Segge