Phytoremediation ist ein kompliziertes Wort für ein überaus erstaunliches Phänomen. Es gibt bestimmte Pflanzen, die können etwas, was andere Pflanzen nicht können: Sie wachsen auf von Schwermetallen verseuchten Böden, ziehen diese aus dem Boden und speichern sie in ausgesprochen hoher Konzentration ihren Blättern, Stämmen oder auch Wurzeln. Dieser Prozess heißt Phytoremediation oder auch Phytosanierung, da der Boden mithilfe dieser Pflanzen saniert werden kann.

Woher kommt die Schwermetalle im Boden?

Aufgefallen sind diese Pflanzen rund um stillgelegten Bergminen. Aber auch Dünger und Pflanzenschutzmittel bringen giftige Schwermetalle in den Boden. Und Feinstaub durch Industrie, Kohlekraftwerke und Verkehr landet auf dem Boden und sammelt sich dort ebenfalls an.

Was sind das für besondere Pflanzen?

Metalltolerante Pflanzen, die in ihren Vakuolen hohe Konzentrationen beispielsweise an Nickel, Cadmium oder Zink speichern können, nennt man auch Hyperakkumulatoren. Mittlerweile kennt man mehrere hundert Hyperakkumulatoren, aber nicht alle Pflanzen haben die gleichen Fähigkeiten.

Weiden beispielsweise können mit ihren tiefen Wurzeln Cadmium aus tiefen Bodenschichten ziehen. Auch das Gebirgs-Hellerkraut kann besonders viel Cadmium anreichern. Die Hallersche Schaumkresse kann Blei und Cadmium anreichern. Berkheya Coddii aus Südafrika kann gleich vier Metalle anreichern: Nickel, Kobalt, Platin und Palladium. So genannte Erzpflanzen kommen ausschließlich auf Schwermetallstandorten vor: das Rundblättrige Heller- oder Täschelkraut oder das Wulfen-Steinkraut beispielsweise.

Das Acker-Hellerkraut ist eine naher Verwandter des Gebirgs-Hellerkrauts.

Metall-Ernte mit Phytomining?

Als Forscher das Phänomen der Phytoremediation vor über 40 Jahren entdeckten, lag der Gedanke nahe, die in den Pflanzen gespeicherten Metalle wieder zurückzugewinnen. Verbrennt man die getrockneten Pflanzen nämlich, bleibt das Metall in der Asche zurück und lässt sich daraus lösen. Das ist die Idee des Phytominings.

Doch die Forschungsgelder flossen nicht, und eine Investmentfirma, die mit Phytomining Geld verdienen wollte, finanzierte zunächst die Forschung, erhielt dafür vertraglich Patente auf das entwickelte Verfahren, verfolgte dann aber aus etwas unklaren Gründen die Projekte nicht weiter. Erst vor kurzem liefen die Patente aus und ruft nun die Forscher wieder auf den Plan, um die so gewonnenen Metalle der Industrie verfügbar zu machen.

Für die ökologische Praxis relevant?

Auch „normale“ Pflanzen können Schwermetalle anreichern. Wer sein Gemüse in einer stark befahrenen Gegend oder einem ehemaligen Industriegebiet selbst anbauen möchte, sollte sich dieser Gefahr bewusst sein. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass die Hälfte des Gemüses, das in Berliner Innenstadtgärten angepflanzt wird, Grenzwerte überschreitet (Blei, Cadmium). Dennoch empfehlen Umweltbiologen hier keine Akkumulatorenpflanzen: Der Boden könnte in der Zeit der Sanierung nicht genutzt werden und die mit Metall vollgesogenen Pflanzen müssten als Sondermüll entsorgt werden. Statt dessen sind biologische Luftfilter das Mittel der Wahl: Sträucher und Obstgehölze am Gartenrand oder Hochbeete mit schadstofffreier Erde.

Dennoch ist Phytoremediation ein sanftes Mittel der Bodensanierung. Es wird jedoch eher für leicht oder mittel belastete Böden empfohlen. Auf stark verseuchten Böden würde es nämlich Jahrhunderte dauern, bis auf ihnen wieder Lebensmittel angebaut werden könnten.