Sie erinnert an selbst hergestelltes Juckpulver aus Kindertagen. Ein Rätsellied wurde ihr gewidmet („Ein Männlein steht im Walde“) und so manche Oma hat sie gesammelt und zu Marmelade verkocht: Die Hagebutte. Knallrot leuchtet sie den Spaziergängern im Herbst aus Hecken und Waldrändern entgegen, die Frucht der Wildrose.

Geschätzt wird die Hagebutte besonders als Vitamin-C-Lieferant, sie ist sogar eines der Vitamin-C-reichsten Früchtchen der Welt, weshalb sie Erkältungskrankheiten vorbeugen soll. Weitere Vitamine, Kupfer und Zink, Pektine, Flavonoide und Carotinoide stecken in ihr. Als Pülverchen hat die Hagebutte ihren Weg in die Apotheken und Reformhäuser gefunden und wird dort zur Linderung von Arthrosebeschwerden verkauft.

In vielen Früchtetees verbergen sich ihre Schalen, jedoch wird der gleichnamigen Früchtetee-Mischung aus dem Handel noch Malven- oder Hibiskusblüte zugegeben, damit sich der sonst blasse Tee auch schön rot färbt. Und die Kosmetikindustrie hat die Kerne entdeckt, deren Öl sie als „Wildrosen-Öl“ auf den Markt bringt.

Ein heimisches Super-Food also, das aber in Deutschland kaum angebaut wird. Die Ernte ist mühsam, die Dornen spitz, gepflückt werden muss von Hand. Daher wird die Hagebutte vor allem aus Osteuropa, China oder Chile importiert. Wer für Goji-Beeren oder Chia-Samen nicht in den Biomarkt pilgern will, könnte also künftig einfach mal beim Spaziergang die Hand nach dem unterschätzten Herbstfrüchtchen ausstrecken.

Sammeln

Sobald die Hagebutten reif sind, wird ihre Schale knallrot; meist ist das zwischen Mitte September und November. Jetzt sollten sie gepflückt werden, möglichst bei sonnigem, trockenen Wetter. Die gute Nachricht: Alle Hagebutten sind essbar. Meist wird mit „Wildrose“ oder „Hagebutte“ die Hunds-Rose (Rosa canina) gemeint; die Früchte der Bibernell-Rose sind schwarz und ebenfalls essbar.

Wer die Hagebutten roh essen möchte, wartet auf den ersten Frost oder gibt sie über Nacht in die Gefriertruhe. So werden die Früchte weicher und schmackhafter. Das Innere ist dann musartig.

Mus oder Marmelade

Früchte aufschneiden und von den haarigen Kernen entfernen und mit Wasser oder Apfelsaft weich kochen. Alternativ kann man auch nur die schwarzen Blütenansätze entfernen, die Früchte mit Wasser bedecken und sie weich dünsten. Dann müssen sie allerdings durch ein feines Sieb gestrichen werden. Das Fruchtpüree wird abgewogen und mit der richtigen Menge Gelierzucker nach Packungsanweisung fertiggestellt. Wer mag, kann einen Schuss Essig oder Balsamico zugeben oder mit Vanille aromatisieren.

Tee

Fruchtschalen und Kerne können entweder getrennt oder gemeinsam verarbeitet werden. Bei einer Trocknung (Hagebutte vorher halbieren) im Backofen oder im Dörrapparat bei ca. 40 Grad bleibt die rote Farbe der Schale erhalten.
Der Tee aus Fruchtschalen sollte 10 Minuten ziehen. Für einen Tee aus den Kernen (im botanischen Sinn sind es Nüsschen) werden frische oder getrocknete Kerne über Nacht eingeweicht und dann 10 bis 30 Minuten gekocht. Dieser Tee soll gut für die Blase sein.

Essig

Für Hagebutten-Essig werden die Früchte gesäubert, längs eingeritzt und mit Essig übergossen. Nach vier bis sechs Wochen an einem warmen und hellen Ort (zwischendurch schütteln) sollte der Essig fertig sein.