Die Geburt und die Zeit danach waren schon immer eine besondere Zeit. Nach heidnischem Glauben drohten der Mutter und dem Kind besondere Gefahren durch neidische oder böswillige Dämonen. Bestimmte Geburtsrituale sollten diese Gefahren bannen.

Hebammen legten das Kind nach der Geburt vor dem Haus auf den Erdboden. Die Hebamme umschritt das Kind dreimal und hob es dann wieder auf. Möglicherweise stammt aus diesem Ritual der spätere Begriff der „Hebe-Amme“. Jedenfalls war das Kind damit als erstes der Erdmutter geweiht. Erst danach wurde es in die Gemeinschaft der Verwandten aufgenommen.

Die Hebammen kannten Pflanzen, die die Geburt erleichtern oder beschleunigen, aber auch Krämpfe lindern sollten. Beifuß, ein „Frauenkraut“, sollte allein schon helfen, wenn ihn die gebärende Frau in der linken Hand hielt. Auch das Räuchern mit geweihten Kräutern sollte helfen.

Die so genannten Bettstrohkräuter sollten Mutter und Kind schon vor der Geburt schützen. Sie wurden als Schutzpflanzen in die Bettmatratze gestopft oder unter das Kopfkissen gelegt, um bösen Zauber fernzuhalten. Zu den Bettstrohkräutern gehören zum Beispiel Beifuß, Dost, Frauenmantel, Johanniskraut, Kümmelkraut, Labkraut, Leinkraut, Mariengras, Quendel, Rosmarin und Waldmeister.

Kräuter dienten manchmal auch für das erste Bad des Kindes. Dieses war besonders wichtig, da es sich um ein Reinigungs- und Schutzritual handelte. Die Wasserweihe ist in vielen alten Kulturen ein Begrüßungs- und Aufnahmeritual.

Schließlich spielen in diesem Zusammenhang auch die Beruf- oder Beschreikräuter eine Rolle. „Berufen“ oder „beschreien“ meint das Verhexen oder Verzaubern, dem ein Schaden folgt. Kleine Kindern waren besonders gefährdet, berufen zu werden. Man erkannte ihre Verhexung an ihrem ständigen Weinen oder Schreien. Schützende Berufkräuter wurden daher in die Wiege gelegt oder dem Kind in einem Säckchen ans Handgelenk gebunden. Zu den Berufkräutern zählen Leinkraut, Berufkraut, Sumpfgarbe, Wundklee, Aufrechter Ziest, Greiskraut, Kohldistel oder Reinfarn.

In christlicher Zeit sollte bei der Geburt möglichste ein Pfarrer anwesend sein, um mit seinen Gebeten den Aberglauben zu unterbinden. Als dies nicht vollständig möglich war, wurden die heidnischen Rituale umgedeutet. Die Bettstrohkräuter hießen dann „Marienbettstroh“ oder „Liebfrauenbettstroh“ und das kleine Jesuskind soll auf ihnen in der Krippe gelegen haben.